Physiotherapeut mobilisiert die Schulter eines Patienten mit Impingement-Syndrom

Beim Schulterimpingement (Engpasssyndrom) kommt es zu einer schmerzhaften Einengung der Sehnen und des Schleimbeutels unter dem knöchernen Schulterdach — typischerweise immer dann, wenn Sie den Arm anheben. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lässt sich ein Impingement konservativ, also ohne Operation, mit gezieltem Training und Physiotherapie gut behandeln.

Was ist ein Impingement-Syndrom?

Zwischen dem Oberarmkopf und dem darüberliegenden Schulterdach (Akromion) verläuft ein schmaler Raum — der subakromiale Raum. Hier gleiten die Sehnen der Rotatorenmanschette sowie ein Schleimbeutel (Bursa). Wird dieser Raum zu eng, werden die Strukturen bei Bewegung eingeklemmt. Besonders betroffen sind die Supraspinatus-Sehne und die darüberliegende Bursa. Charakteristisch ist der sogenannte schmerzhafte Bogen (painful arc): Beim seitlichen Anheben des Arms treten die Schmerzen vor allem im mittleren Bereich zwischen etwa 60° und 120° auf, während die Bewegung darunter und darüber oft weniger schmerzt.

Ursachen & Risikofaktoren

Ein Impingement entsteht meist nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich über längere Zeit durch wiederkehrende Belastung. Häufige Auslöser sind:

  • Überkopfarbeit und -sport: Maler, Monteure oder Sportarten wie Schwimmen, Tennis und Volleyball belasten die Schulter stark über Kopfhöhe
  • Muskuläre Dysbalancen: Ein Ungleichgewicht zwischen kräftigen und abgeschwächten Muskeln zieht den Oberarmkopf nach oben und verengt den Raum
  • Schwache Rotatorenmanschette: Die kleinen Muskeln, die den Oberarmkopf zentrieren, können den Kopf nicht mehr sauber in der Pfanne halten
  • Haltung: Eine nach vorne gerundete Schulter- und Kopfhaltung (etwa durch langes Sitzen) verkleinert den subakromialen Raum zusätzlich

Warum hilft gezieltes Training?

Der entscheidende Hebel beim Impingement ist die aktive Stabilisierung der Schulter. Eine gekräftigte Rotatorenmanschette zentriert den Oberarmkopf wieder mittig in der Gelenkpfanne und zieht ihn von unten weg vom Schulterdach. Gleichzeitig sorgen kräftige Schulterblattstabilisatoren dafür, dass sich das Schulterblatt beim Armheben richtig mitbewegt und mehr Platz unter dem Akromion entsteht. So nimmt der Druck auf Sehnen und Schleimbeutel ab — die Schmerzen lassen nach und die Schulter wird belastbarer.

Übung 1: Außenrotation mit dem Theraband

Befestigen Sie ein Theraband auf Bauchnabelhöhe, zum Beispiel an einer Türklinke. Stellen Sie sich seitlich dazu, der trainierende Arm liegt körpernah an. Klemmen Sie zur Kontrolle ein zusammengerolltes Handtuch zwischen Ellbogen und Rumpf. Der Ellbogen ist 90° gebeugt. Ziehen Sie nun den Unterarm langsam nach außen, weg vom Bauch, ohne den Ellbogen vom Körper zu lösen. Langsam zurückführen. Bewegen Sie sich nur im schmerzfreien Bereich. 3 Sätze à 12–15 Wiederholungen.

Diese Übung kräftigt gezielt die Außenrotatoren der Rotatorenmanschette und gehört zu den wirkungsvollsten Übungen beim Impingement.

Übung 2: Schulterblatt-Setting (Retraktion)

Setzen oder stellen Sie sich aufrecht hin, die Arme hängen locker. Ziehen Sie nun beide Schulterblätter bewusst nach hinten und leicht nach unten zusammen — so, als wollten Sie sie in die Gesäßtaschen schieben. Die Schultern bleiben dabei tief, sie ziehen nicht zu den Ohren. Halten Sie die Spannung 5–10 Sekunden und lösen Sie wieder. 3 Sätze à 10 Wiederholungen.

Das Schulterblatt-Setting aktiviert die Stabilisatoren zwischen den Schulterblättern und verbessert die Haltung — eine wichtige Grundlage, um den subakromialen Raum zu öffnen.

Übung 3: Pendelübung zur sanften Mobilisation

Stützen Sie sich mit dem gesunden Arm auf einem Tisch oder einer Stuhllehne ab und beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorne. Lassen Sie den betroffenen Arm völlig entspannt nach unten hängen. Versetzen Sie ihn jetzt allein über kleine Bewegungen des Oberkörpers in ein sanftes Pendeln — vor und zurück, seitlich und in kleinen Kreisen. Der Arm selbst bleibt locker und macht nichts aktiv. Jeweils etwa 30 Sekunden pro Richtung, 2–3 Durchgänge.

Diese entlastende Mobilisation fördert die Durchblutung, lockert die Schulter und sollte sich angenehm anfühlen. Beginnen Sie mit Ihren aktiven Übungen grundsätzlich unterhalb von 90° Armhöhe und steigern Sie den Bewegungsumfang erst, wenn die Schulter es schmerzfrei zulässt.

Wie oft trainieren?

  • Häufigkeit: Die Kräftigungsübungen idealerweise an 3–4 Tagen pro Woche, die sanfte Pendel-Mobilisation darf täglich erfolgen
  • Qualität vor Tempo: Führen Sie jede Wiederholung langsam und kontrolliert aus — saubere Technik ist wichtiger als viel Gewicht oder viele Wiederholungen
  • Progression: Steigern Sie Widerstand, Wiederholungen und Bewegungsumfang schrittweise über mehrere Wochen, immer im schmerzfreien Bereich

Wichtige Sicherheitshinweise

Diese Übungen sind allgemeine Empfehlungen und ersetzen keine individuelle Befunderhebung. Stoppen Sie das Training und lassen Sie Ihre Schulter ärztlich abklären, wenn:

  • Der Schmerz während oder nach den Übungen deutlich zunimmt
  • Sie nachts unter Ruheschmerz leiden und schlecht auf der Schulter liegen können
  • Ein plötzlicher Kraftverlust auftritt und der Arm nicht mehr richtig angehoben werden kann
  • Sich die Beschwerden trotz konsequentem Training über Wochen nicht bessern

Wann zur Physiotherapie?

Wenn die Beschwerden anhalten, immer wiederkehren oder Sie unsicher bei der Ausführung sind, ist eine physiotherapeutische Begleitung sinnvoll. Mit ärztlicher Verordnung erstellen wir bei Physio One in Lübeck einen auf Sie abgestimmten Behandlungsplan. In der Krankengymnastik verbessern wir über Mobilisation und Weichteilbehandlung zunächst Beweglichkeit und Schmerzfreiheit. Im Anschluss bauen Sie über das gerätegestützte Training (KGG) gezielt Kraft und Stabilität auf, damit Ihre Schulter dauerhaft belastbar bleibt.

Schulterschmerzen gezielt behandeln

Sie haben ein Impingement und möchten Ihre Schulter wieder schmerzfrei und kräftig bekommen? Bei Physio One in Lübeck begleiten wir Sie mit einem individuellen Trainingsplan.

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