Inhalt
Die Diagnose „Bandscheibenvorfall" klingt bedrohlich. Dabei bessern sich die Beschwerden in den meisten Fällen auch ohne Operation. Die meisten Bandscheibenvorfälle werden konservativ behandelt, also mit Physiotherapie, Bewegung und Schmerzmanagement. In unserer Praxis in Lübeck begleiten wir Patienten täglich durch diesen Prozess.
Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?
Die Bandscheiben sind die Stoßdämpfer zwischen Ihren Wirbeln. Sie bestehen aus einem weichen Gallertkern, umgeben von einem festen Faserring. Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) durchbricht der Kern den Faserring und drückt auf umliegende Nerven. Das kann, muss aber nicht, Schmerzen verursachen.
Wichtig zu wissen: Viele Menschen haben Bandscheibenvorfälle im MRT, ohne je Beschwerden zu haben. Die Diagnose allein sagt noch nichts über die Behandlung aus.
Typische Symptome
- Ausstrahlende Schmerzen: In Bein (LWS-Vorfall) oder Arm (HWS-Vorfall), oft einseitig
- Taubheit und Kribbeln: Im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs
- Muskelschwäche: Z.B. Fußheberschwäche bei L4/L5-Vorfall
- Schmerzverstärkung: Beim Husten, Niesen oder Pressen
- Bewegungseinschränkung: Vorbeugen oder Aufrichten schmerzt
Notfall-Warnung: Bei plötzlicher Blasen-/Darmstörung oder beidseitiger Taubheit im Genitalbereich (Cauda-equina-Syndrom) sofort in die Notaufnahme!
Wo tritt ein Bandscheibenvorfall auf?
- Lendenwirbelsäule (LWS): Ca. 90 % aller Vorfälle, meist L4/L5 oder L5/S1. Schmerzen strahlen ins Bein aus (Ischias).
- Halswirbelsäule (HWS): Ca. 10 % der Vorfälle, meist C5/C6 oder C6/C7. Schmerzen strahlen in Schulter und Arm aus.
- Brustwirbelsäule (BWS): Sehr selten. Schmerzen im Brustkorb-Bereich.
Behandlung: Was kann helfen?
Die aktuelle Leitlinie empfiehlt bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen zunächst konservative Therapie für mindestens 6–8 Wochen. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden unter konservativer Therapie.
Phase 1: Akutphase (Woche 1–3)
- Schmerzmanagement: Medikamentöse Einstellung durch den Arzt
- Entlastungshaltungen: Stufenlagerung, Seitlage mit Kissen zwischen den Knien
- Sanfte Mobilisation: Leichte Bewegung ist besser als strikte Bettruhe
- Wärmetherapie: Fango zur Muskelentspannung
Phase 2: Aufbauphase (Woche 3–8)
- Krankengymnastik: Gezielte Mobilisation und Stabilisierungsübungen
- Nervenmobilisation: Spezielle Techniken zur Entlastung des gereizten Nervs
- Rumpfstabilisation: Kräftigung der tiefen Rücken- und Bauchmuskulatur
- Elektrotherapie: Zur Schmerzlinderung und Muskelstimulation
Phase 3: Langfristiger Aufbau (ab Woche 8)
- Gerätegestützte KG (KGG): Progressives Krafttraining unter Anleitung
- Eigenständiges Training: Übergang ins selbstständige Rückentraining
3 Übungen bei Bandscheibenvorfall (LWS)
Diese Übungen sind für die Aufbauphase gedacht, nicht für die akute Schmerzphase. Besprechen Sie den Zeitpunkt mit Ihrem Therapeuten.

So läuft die Bewegung
1. Stufenlagerung (Entlastung)
Legen Sie sich auf den Rücken, die Unterschenkel auf einem Stuhl oder Hocker abgelegt (90°-Winkel in Hüfte und Knie). Diese Position entlastet die Bandscheiben maximal. 10–15 Minuten halten, ideal bei akuten Schmerzen mehrmals täglich.

So läuft die Bewegung
2. Beckenkippen (Mobilisation)
Rückenlage, Beine aufgestellt. Kippen Sie das Becken langsam nach hinten (Rücken in die Matte drücken) und nach vorne (leichtes Hohlkreuz). Langsam, kontrolliert, schmerzfrei. 15 Wiederholungen. Diese Übung mobilisiert die LWS sanft und aktiviert die Tiefenmuskulatur.

So läuft die Bewegung
3. Diagonaler Vierfüßlerstand (Stabilisation)
Im Vierfüßlerstand: Strecken Sie langsam einen Arm nach vorne und das gegenüberliegende Bein nach hinten. Körper bleibt stabil, kein Durchhängen im Rücken. 5 Sekunden halten, dann Seite wechseln. 10 Wiederholungen pro Seite. Erst wenn Sie das Beckenkippen sicher beherrschen.
Wann ist eine OP notwendig?
Eine Operation wird nur in Ausnahmefällen empfohlen:
- Cauda-equina-Syndrom: Blasen-/Darmstörung (absoluter Notfall)
- Schwere Lähmungen: Z.B. ausgeprägte Fußheberschwäche
- Keine Besserung nach 6–8 Wochen konservativer Therapie trotz korrekter Durchführung
Die gute Nachricht: Der Körper baut ausgetretenes Bandscheibenmaterial mit der Zeit selbst ab (Resorption). Geduld und aktive Therapie zahlen sich aus.
Einen weiteren häufigen Grund für akute Kreuzschmerzen beschreibt der Ratgeber zum Hexenschuss.
Bandscheibenvorfall behandeln
Sie haben einen Bandscheibenvorfall und möchten aktiv werden? Bei Physio One in Lübeck begleiten wir Sie durch alle Phasen, von der Akutbehandlung bis zum langfristigen Aufbautraining.



