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Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit: Allein in Deutschland sind über fünf Millionen Menschen betroffen. Lange galt: Gelenk verschlissen, nichts zu machen. Heute weiß man: Bewegung ist ein zentraler Baustein der Behandlung. Richtig dosiert, kann sie Schmerzen lindern, die Funktion verbessern und die Versorgung des Knorpels unterstützen.
Was genau ist Arthrose?
Bei Arthrose baut sich der schützende Gelenkknorpel schrittweise ab. Die Knorpelschicht wird dünner, rauer und kann ihre Pufferfunktion nicht mehr vollständig erfüllen. In der Folge reagiert der Körper: Die Gelenkinnenhaut entzündet sich, Knochenanlagerungen (Osteophyten) bilden sich, und die umgebende Muskulatur verspannt sich schützend.
Wichtig: Arthrose ist kein reines Verschleißproblem. Es ist ein aktiver Umbauprozess, der durch die richtige Therapie positiv beeinflusst werden kann. Ein Röntgenbild allein sagt wenig über Ihre Schmerzen aus: Viele Menschen mit deutlicher Arthrose im Bild haben kaum Beschwerden, während andere mit minimalen Veränderungen erhebliche Schmerzen haben.
Ursachen und Risikofaktoren
Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung von Arthrose:
- Alter: Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko deutlich, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein
- Übergewicht: Jedes zusätzliche Kilogramm belastet die Kniegelenke mit dem Drei- bis Sechsfachen
- Bewegungsmangel: Ohne Belastung wird der Knorpel nicht ausreichend ernährt
- Fehlstellungen: X-Beine, O-Beine oder Hüftdysplasie verändern die Belastungsverteilung
- Verletzungen: Kreuzbandriss, Meniskusschaden oder Gelenkfrakturen erhöhen das spätere Arthrose-Risiko
- Genetische Veranlagung: Familiengeschichte spielt eine Rolle bei der Knorpelqualität
- Berufliche Belastung: Kniende Tätigkeiten, schweres Heben, einseitige Belastungen
Knie- und Hüftarthrose: Die häufigsten Formen
Gonarthrose (Kniearthrose)
Die Kniearthrose ist die häufigste Form. Typische Symptome sind Anlaufschmerz morgens oder nach längerem Sitzen, Schmerzen beim Treppensteigen und ein Steifigkeitsgefühl. Im fortgeschrittenen Stadium kann das Knie anschwellen und bei Belastung knirschen.
Coxarthrose (Hüftarthrose)
Bei Hüftarthrose zeigen sich Schmerzen typischerweise in der Leiste, am seitlichen Oberschenkel oder sogar im Knie (projizierter Schmerz). Das Anziehen von Schuhen und Socken, Einsteigen ins Auto oder längeres Gehen werden zunehmend schwieriger.
Warum Bewegung die beste Medizin ist
Gelenkknorpel hat keine eigene Blutversorgung. Er wird ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) ernährt, und dieser Mechanismus funktioniert nur bei Bewegung. Stellen Sie sich den Knorpel wie einen Schwamm vor: Bei Belastung wird er zusammengedrückt und gibt Abfallstoffe ab. Bei Entlastung saugt er sich mit frischer, nährstoffreicher Gelenkflüssigkeit voll.
Studien deuten darauf hin: Moderates, regelmäßiges Training kann Arthrose-Beschwerden lindern, und zwar ohne die typischen Nebenwirkungen von Schmerzmedikamenten. Die internationalen Leitlinien empfehlen Bewegungstherapie als Basisbehandlung bei Arthrose.
Physiotherapie bei Arthrose
Eine gezielte physiotherapeutische Behandlung bei Arthrose verfolgt mehrere Ziele:
- Schmerzlinderung: Durch Entlastungstechniken, Wärmetherapie (Fango) und gezielte Mobilisation
- Muskelaufbau: Starke Muskeln stabilisieren das Gelenk und übernehmen Pufferfunktionen. Gerätegestütztes Training ist hier besonders effektiv
- Beweglichkeit erhalten: Durch Krankengymnastik, Mobilisationstechniken und geführte Bewegungsübungen
- Alltagskompetenz steigern: Gangschule, Treppengehen, Aufstehtraining: zurück zu den Dingen, die Ihnen wichtig sind
- Selbstmanagement lernen: Sie erhalten ein individuelles Übungsprogramm für zuhause
Ergänzende Therapiemaßnahmen
Je nach Stadium und Beschwerden kombinieren wir die aktive Therapie mit weiteren Maßnahmen:
- Fango-Wärmetherapie: Entspannt die Muskulatur, verbessert die Durchblutung und bereitet das Gelenk auf aktive Übungen vor
- Kältetherapie: Bei akut entzündeten, geschwollenen Gelenken wirkt Kälte abschwellend und schmerzlindernd
- Weichteilbehandlung: Kann Verspannungen der gelenkumgebenden Muskulatur lockern
- Gelenkentlastende Hilfsmittel: Beratung zu Einlagen, Gehstützen oder Bandagen bei Bedarf
3 Übungen bei Knie- und Hüftarthrose

So läuft die Bewegung
1. Wandkniebeuge (Knie & Hüfte)
Lehnen Sie sich mit dem Rücken an eine Wand. Die Füße stehen etwa eine Fußlänge von der Wand entfernt, hüftbreit auseinander. Beugen Sie die Knie langsam bis maximal 60 Grad (als säßen Sie auf einem hohen Hocker) und halten Sie die Position 5 bis 10 Sekunden. Dann langsam wieder strecken. 10 Wiederholungen, 2 bis 3 Sätze. Die Wand gibt Sicherheit und entlastet den Rücken, während die Oberschenkelmuskulatur gezielt gekräftigt wird.

So läuft die Bewegung
2. Beinpendel (Hüfte)
Halten Sie sich an einer Stuhllehne oder Tischkante fest. Schwingen Sie das betroffene Bein locker nach vorne und hinten, wie ein Pendel. Die Bewegung kommt aus der Hüfte, der Oberkörper bleibt ruhig. Beginnen Sie mit kleinen Ausschlägen und steigern Sie langsam. 20 Schwünge pro Seite, dann seitliches Pendeln (vor dem Körper und hinter dem Körper). Diese Übung verbessert die Hüftbeweglichkeit und regt die Produktion von Gelenkflüssigkeit an, ohne das Gelenk zu belasten.

So läuft die Bewegung
3. Bridging / Beckenbrücke (Knie & Hüfte)
Legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie die Füße hüftbreit auf, Knie gebeugt. Drücken Sie das Becken nach oben, bis Oberschenkel und Oberkörper eine gerade Linie bilden. Oben 5 Sekunden halten, dann langsam absenken. 12 bis 15 Wiederholungen, 3 Sätze. Diese Übung kräftigt die Gesäßmuskulatur, die hintere Oberschenkelmuskulatur und die Rumpfstabilität, alles entscheidend für stabile Knie- und Hüftgelenke.
Wie lange dauert die Behandlung?
Arthrose ist eine chronische Erkrankung, aber das bedeutet nicht, dass Sie ständig Schmerzen haben müssen. Häufig zeigen sich erste Verbesserungen nach etwa 6 bis 8 Wochen konsequenter Therapie, der Verlauf ist aber individuell. Das Ziel ist nicht die Heilung des Knorpels, sondern weniger Schmerzen, eine bessere Funktion und ein aktives Leben. Langfristig profitieren Sie am meisten, wenn Sie die erlernten Übungen eigenständig weiterführen.
Wer das Sturzrisiko im Alltag senken möchte, findet im Ratgeber zur Sturzprävention passende Übungen.
Arthrose aktiv behandeln
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