Der Name täuscht: Die wenigsten Tennisarm-Patienten spielen Tennis. Der Tennisarm (Epicondylitis lateralis) entsteht durch Überlastung der Unterarmstrecker — typischerweise bei Büroarbeit, Handwerk, Gartenarbeit oder Sport. In unserer Praxis in Lübeck sehen wir diese Diagnose mehrmals wöchentlich.
Was passiert beim Tennisarm?
Am äußeren Ellenbogen setzen die Streck-Muskeln des Handgelenks an. Bei Überlastung entstehen dort Mikrorisse in der Sehne. Der Körper reagiert mit einer Entzündungsreaktion — und bei anhaltender Belastung wird aus einer akuten eine chronische Sehnenerkrankung (Tendinopathie). Die Sehne verändert ihre Struktur und wird schmerzhaft.
Typische Symptome
- Druckschmerz — Am äußeren Ellenbogenknöchel (Epicondylus lateralis)
- Greifschmerz — Beim Zugreifen, Flaschen aufdrehen, Tasse halten
- Belastungsschmerz — Bei Maus-Bedienung, Tastatur-Arbeit, Gartenarbeit
- Ausstrahlung — In den Unterarm, manchmal bis ins Handgelenk
- Schwäche — Gegenstände fallen aus der Hand, Griffkraft reduziert
Warum Schonung nicht hilft
Der häufigste Fehler: Komplette Ruhigstellung und Abwarten. Das Problem: Die geschädigte Sehne braucht kontrollierte Belastung, um zu heilen und ihre Struktur wiederherzustellen. Ohne Belastungsreiz bleibt die Sehne schwach und reagiert bei der nächsten Beanspruchung sofort wieder. Die aktuelle Forschung ist eindeutig: Progressives Belastungstraining ist die wirksamste Behandlung.
Die beste Übung: Exzentrische Handgelenks-Extension
Exzentrisches Training (Gold-Standard)
Setzen Sie sich, Unterarm auf dem Oberschenkel, Handgelenk über dem Knie. Halten Sie eine kleine Hantel (0,5–1 kg) oder Wasserflasche. Strecken Sie das Handgelenk nach oben (mit Hilfe der anderen Hand). Senken Sie dann das Gewicht langsam über 3–5 Sekunden ab. Nur die Abwärtsbewegung zählt! 3 Sätze à 15 Wiederholungen, 2× täglich. Es darf leicht unangenehm sein (3–4/10 Schmerz), aber nicht stark schmerzen.
Unterarm-Dehnung
Arm nach vorne strecken, Handfläche zeigt nach unten. Mit der anderen Hand die Finger sanft nach unten und zum Körper ziehen. Sie spüren eine Dehnung auf der Außenseite des Unterarms. 30 Sekunden halten, 3 Wiederholungen, mehrmals täglich. Besonders gut vor und nach belastenden Tätigkeiten.
Weitere Behandlungsoptionen
- Querfriktionsmassage — Gezielte Massage quer zur Sehne stimuliert die Heilung
- Tape/Bandage — Epicondylitis-Spange entlastet den Sehnenansatz im Alltag
- Elektrotherapie — Ultraschall oder TENS zur Schmerzlinderung
- Arbeitsplatz-Anpassung — Ergonomische Maus, Tastaturposition, Griffstärke bei Werkzeugen
Wie lange dauert die Heilung?
Ein akuter Tennisarm bessert sich mit konsequentem exzentrischem Training oft innerhalb von 6–12 Wochen. Chronische Formen (> 3 Monate) brauchen mehr Geduld — hier sind 3–6 Monate realistisch. Die Schlüssel: Konsequenz beim Training und langsame Belastungssteigerung. Nicht zu schnell, nicht zu wenig.
Tennisarm behandeln lassen
Ihr Tennisarm will nicht besser werden? Bei Physio One in Lübeck zeigen wir Ihnen die richtige Belastungsdosierung und begleiten Ihre Heilung.